|

Ziele der Beschaffung

Ziele der Beschaffung

Bedeutung der Bestimmungsgrößen des Beschaffungsmanagements

Bestimmungsgrößen der Beschaffung stellen Faktoren dar, die in der Regel 

  • außerhalb des Beschaffungsbereichs festgelegt werden.

Bestimmungsgrößen der Beschaffung

  • bestimmen und
  • beschränken

das Handeln der Beschaffung in Art und Umfang.

Bestimmungsgrößen der Beschaffung sind Ziele (eines Unternehmens).

Ziele

  • stellen generelle Imperative dar
  • sollen erfüllt werden durch die Ausrichtung des gesamten Unternehmens auf diese Zielerfüllung
  • führen zu Strategien
    • Strategien führen zu Maßnahmen die umzusetzen sind, um die definierten Ziele zu erreichen
  • sollten folgende Zieldimensionen haben
    • Inhalt: Konkretisierung und Abgrenzung der Zieldefinitionen (z.B. auf bestimmte Produktgruppen)
    • Ausmaß: Benennung von Kennzahlen, die eine Größenordnung des Ziels beschreiben (z.B. 5 % Senkung der Preisniveaus im Einkauf)
    • zeitlicher Bezug: bis wann soll das Ziel erreicht werden
  • sollten, auf Grundlage der Zieldimensionen (Inhalt, Ausmaß, zeitlicher Bezug – siehe Zieldimensionen) zur Konkretisierung und Bewertung alternativen Maßnahmen führen (die zur Erreichung der Ziel letztendlich umzusetzen sind)
    • aus den allgemein formulierten Unternehmenszielen sind korrespondierende Ziele der verschiedenen Unternehmensbereiche abzuleiten (Funktionalziele der strategischen Geschäftseinheiten, Instrumentalziele)
    • durch die Ableitung von korrespondierenden Ziele entsteht eine Zielhierarchie (Marketingziele, Vertriebsziele…Beschaffungsziele)
    • Ein Beschaffungsziel ist eine
      • operational formulierte Handlungsanweisung
      • zur Erreichung eines zukünftig erwünschten Zustands
      • der als Ergebnis von Maßnahmen
        • in einem bestimmen Ausmaß
        • zu einem festgelegten Zeitpunkt
          realisiert wird und der Erreichung übergeordneter Unternehmensziele (z.B. Economic Value Added = Wertschöpfung, Gewinne, Rendite) dienen soll.

Strategische und operative Ziele der Beschaffung

  • Strategische Beschaffungsziele
    1. Sicherstellung der Materialversorgung
      a. Wahrung der Flexibilität
      b. Risikostreuung
      c. Wahrung der Unabhängigkeit
      konkret: (kein Single Sourcing sondern Dual Sourcing, Multiple Sourcing, d.h. Bestellung nicht nur bei einem Lieferanten sondern bei mehreren Lieferanten um eine flexible,  unabhängige und risikoarme Materialversorgung zu ermöglichen)
       
    2. Sicherung des Qualitätsrahmens
      1. Sicherstellung des Qualitätsstandards des Materials
      2. Sicherung des Technologiestandards des Materials
         
    3. Sicherung der Beschaffungsmarktposition
      1. Sicherung der Nachfragemacht (Bündelung von Beschaffungsmengen, um möglichst große Beschaffungsmengen zu erzielen)
      2. Wahrung des Ansehens der Unternehmung (Image)
         
    4. Berücksichtigung ökologischer Aspekte (z.B. Einhaltung des Lieferkettengesetz)
  • Operative Beschaffungsziele
    1. Optimierung der Bezugskosten
      • Optimierung der Einkaufspreise
      • Optimierung der Prozess- und Beschaffungsverwaltungskosten (bestellfixe Kosten) 
    2. Sicherung der Materialqualität 
    3. Sicherung der Liquidität 
    4. Sicherung der (internen) Lieferbereitschaft, d.h. der Verfügbarkeit des Materials

Interne Rahmenbedingungen

Strukturmerkmale von Unternehmen sind Größen, die längerfristig festgelegt sind und folgenden Einfluss auf die Beschaffung haben:

  1. Standort
    bestimmt die räumliche Entfernung der Lieferanten und die Transportkosten (vor allem bei global scourcing = Beschaffung findet weltweit statt)
  2. Betriebsgröße
    • beeinflusst die Stellung eines Unternehmens am Beschaffungsmarkt über das Nachfragevolumen
    • beeinflusst die Spezialisierung der Mitarbeiter (i.d.R. höhere Arbeitsteilung in Großbetrieben)
    • bestimmt die Flexibilität bei Beschaffungsentscheidungen
       
  3. Qualifikation der Mitarbeiter
    • beeinflusst die Verhandlungsmacht bei Beschaffungsentscheidungen
    • bestimmt die Qualität von Beschaffungsentscheidungen (Beschaffungs-Know-how der Mitarbeiter) 
  4. Organisation
    • die Unternehmensorganisation bestimmt die Organisation des Beschaffungsbereichs
    • die hierarchische Einordnung des Beschaffungsbereichs in der Unternehmensorganisation beeinflusst das Gewicht von Beschaffungsentscheidungen
    • die Organisation des Beschaffungsbereichs kann Prozess und Ergebnis von Beschaffungsentscheidungen vorstrukturieren oder gar determinieren
       
  5. Produktionstyp
    Große Bedeutung für die Beschaffung haben
    • der Programmtyp,
    • der Organisationstyp und
    • die Technologie der Fertigungsprozesse
    • sowie die geforderte Konstanz der Werkstoffqualität.
       
  6. andere Unternehmensbereiche der Aufbauorganisation, mit Einfluss auf den Einkaufsbereich. Die Planung anderer Unternehmensbereiche bildet aufgrund der (in)direkten Verbundenheit mit der Beschaffung eine auch kurzfristig wirksame und veränderliche Bestimmungsgröße für die Beschaffung.
    • Produktion
      • das Produktionsprogramm determiniert Art, Umfang und Qualität der zu beschaffenden Einsatzfaktoren
      • Fertigungstechniken bestimmen die Anforderungen an die zu beschaffenden Materialien
      • Qualitätsanforderungen der Produktion haben Einfluss auf die Lieferantenwahl und den Spielraum für die Substitution einzelner Materialarten
      • Entscheidungen über die Verringerung der Fertigungstiefe (Make or Buy) haben Einfluss auf das Beschaffungsvolumen – bei Reduzierung der Fertigungstiefe erfolgt eine Verlagerung von Kostensenkungs- und Leistungsverbesserungspotenzialen in die Beschaffung 
    • Absatz
      • generelle Absatzpläne bestimmen die beschaffungspolitischen Dimensionen Menge, Qualität und Zeit maßgeblich
      • spezielle Absatzpläne (z.B. Sortimentsergänzung durch Handelswaren, Sonderangebotsaktionen) erfordern eine hohe Flexibilität der Beschaffung) 
    • Forschung & Entwicklung
      • Struktur und Kosten des Materialbedarfs werden zu einem Großteil in der Entwicklungsphase festgelegt
      • spezifizierte Vorgaben der Konstruktion können die Handlungsmöglichkeiten auf den Beschaffungsmärkten einengen
    • Finanzbereich
      Die Kapitalausstattung und Liquiditätslage des Unternehmens bestimmen die Aktionsmöglichkeiten der Beschaffung z.B. bei
      • spekulativer Lagerhaltung – wenn große Mengen Vorrat bestellt werden (Finanzierung von Beständen)
      • Ausnutzung von Mengenrabatten (höherer Liquiditätsbedarf)
      • Währungsschwankungen

externe Rahmenbedingungen

Industriegütermärkte (B-to-B-Märkte) sind durch folgende Besonderheiten gekennzeichnet:

  1. langfristig angelegte Geschäftsbeziehungen stehen i.d.R. im Mittelpunkt (wenig kurzfristige Geschäftsbeziehungen auf Basis einzelner Transaktionen) 
  2. Kunden sind den Anbietern häufig bekanntweniger anonyme Märkte – daher hat der persönliche Kontakt zwischen Anbietern und Nachfragern eine größere Bedeutung
  3. abgeleitete Nachfrage (=derivative Nachfrage), die von Nachfragen der Endkunden abgeleitet sind
  4. relativ unelastische Nachfrage, d.h. die relative Nachfrageänderung ist weniger stark von der relativen Preisänderung geprägt 
  5. mehrere involvierte, bzw. einflussnehmende Stellen, Multipersonalität der Beschaffungsprozesse
  6. formalisierte Prozesse der Auftragsvergabe 
  7. Internationalisierung

Business Intelligence System sollen Transparenz schaffen bei der Digitalisierung der Steuerung, Planung und Umsetzung der Beschaffungsziele.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Produktinnovationen

    Wenn die operativen Prozesse gut und reibungslos ablaufen, lassen sich Kapazitäten freisetzen für Innovationen, um am Markt durch neue und gute Produkte und Leistungen zu überzeugen. Unter einer Produktinnovation verstehen wir Innovationsprozesse verlaufen in folgenden Phasen 1. Ideengewinnung und -konkretisierung 2. Konzeptdefinition 3. Konzeptbewertung und -selektion 4. Markteinführung Ideengewinnung und -konkretisierung (Quellen für Neuproduktideen) 2….

  • |

    Influencer

    Einbindung von Influencern in das Social Media Marketing Influencer nutzen Social Media Plattformen und haben zumeist Risiken des Influencer-Marketing: Falscher Einsatz von Influencern Risiko von Influencer Werbung ist, dass sich Influencer oftmals schlecht führen lassen, weil die Influencer sich ein Netzwerk aufgebaut haben, bevor sie zu Social Media Werbeinstrumenten wurden. Je mehr Follower Influencer haben,…

  • |

    Auftragsmanagement

    Auftragsmanagement ist die unternehmensübergreifende Kooperation und Zusammenarbeit von Lieferanten, Produzenten und Kunden in Form eines Netzwerks zur Maximierung des Kundennutzens. Dabei übernimmt die Logistik die Planung, Steuerung und Kontrolle der Materialien und aller dazugehörigen Informationen. Auftragsmanagement wird häufig auch Supply Chain Management genannt. Die zunehmende globale Unternehmensumwelt führt zu einer hohen Komplexität innerhalb der Supply…

  • |

    Produktbezogene Supply Chain

    Die Bedeutung des Produkttyps für die produktbezogene Supply Chain Strategie: Produktcharakteristika sind für die Bestimmung der Supply Chain Strategie entscheidend. Es kann in zwei prinzipielle Produktkategorien unterschieden werden, wobei jede dieser Kategorien eine unterschiedliche Art von Supply Chain erfordert 1. Funktionelle Produkte 2. Innovative Produkte

  • |

    Vertriebslogistik

    Die Vertriebslogistik ist neben der Beschaffungslogistik, der Produktionslogistik, der Entsorgungslogistik und der Recyclinglogistik eine der zentralen Logistikbereiche. In vielen Branchen der Industrie und des Handels ist die Vertriebslogistik im Verantwortungsbereich des Vertriebs. In der Vertriebslogistik wird gesteuert, wie die Produkte zum Kunden kommen. Folgende Anforderungen bestehen in der Vertriebslogistik:

  • |

    Produktionsprogrammmanagement

    Ein Produktprogramm (Sortiment) ist die Gesamtheit der zu einem bestimmten Zeitpunkt von einem Unternehmen angeboten Produkte. Unternehmen sollten generell überprüfen, ob ihre Produkte am Markt eine Nachfrage erfahren. Sie sollten Produkte weitestgehend aus dem Portfolio entfernen, die keinen Erfolg (mehr) am Markt haben bei welchen auch in Zukunft nicht von einem Erfolg auszugehen ist. Details…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert