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Beschaffung – eine unterschätzte Disziplin

Einkaufen ist ein Prozess, der im Allgemeinen, als „nicht erklärungsbedürftig“ angesehen wird. Was ich benötige, muss ich eben einkaufen.

Allerdings verstecken sich in diesem Prozess einige sehr wichtige Potenziale. Wenn die Schöpfung dieser Potenziale nicht in Betracht gezogen wird, kommt dies einer systematischen Verschwendung von Finanzmitteln gleich.

„Nomen est Omen“. Es gibt einige Begriffe rund um das Themengebiet Beschaffung, deren Klärung zu mehr Transparenz und somit zu einem gemeinsamen Verständnis in Bezug auf Effektivität in dieser Domäne führen wird.

Beschaffung

als betriebswirtschaftliche Funktion umfasst sämtliche unternehmens- und / oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.  

Sie umfasst das Management der externen Ressourcen des Unternehmens mit dem Ziel, die Verfügbarkeit aller Güter, Dienstleistungen, Fähigkeiten und Kenntnisse, die zur Durchführung, Aufrechterhaltung und Steuerung der primären und unterstützenden Tätigkeiten des Unternehmens gebraucht werden, zu den günstigsten Bedingungen sicherzustellen.

Beschaffungsmanagement

ist der auf die Beschaffung ausgerichtete Managementprozess, der alle Handlungen der Informationsversorgung, Planung und Steuerung umfasst, die darauf gerichtet sind, einer Unternehmung die benötigten Beschaffungsobjekte in geeigneter Form durch Transaktions- und Transferprozesse verfügbar zu machen.

Es umfasst alle Aufgaben, die mit der Versorgung der Unternehmen mit externen Gütern verbunden sind.

Dabei hat das Verständnis zur Rolle des Einkaufs in Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten einen drastischen Wandel vollzogen – weg von einer Unternehmensfunktion, der wenig Aufmerksamkeit geschenkt und die Fähigkeiten zur Generierung von strategischen Wettbewerbsvorteilen für das Unternehmen abgesprochen wurde („Einkauf kann jeder“), hin zu einer integralen, strategischen Komponente der Wertschöpfungskette, die in zentraler Schnittstellenfunktion fungiert und deren Entscheidungen den langfristigen Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflussen können.

Abgrenzung der Begriffe Einkauf verwaltend, Einkauf gestaltend und Materialwirtschaft

Einkauf: Der Begriff Einkauf umfasst alle operativen Tätigkeiten innerhalb des Beschaffungsprozesses.

verwaltender Einkauf:
Mit dem verwaltenden Einkauf sind die reinen BESTELL-Tätigkeiten gemeint.

gestaltender Einkauf:
Der gestaltende Einkauf geht über die reinen Bestelltätigkeiten hinaus, umfasst somit

  • Aktivitäten zur Beschaffungsmarktforschung (Marktanalyse, Anfrageprozesse, ..)
  • einen qualifizierten Angebotsvergleich innerhalb des Anfrageprozesses
  • Vergabeverhandlungen
  • Entsendung von Projektingenieuren (Resident Engineers), um das Scoping (das Klären von Auftragsumfängen und Produkteigenschaften) für Güter mit hohem Individualisierungsgrad zu ermöglichen

Materialwirtschaft:

Der Begriff Materialwirtschaft umfasst alle Tätigkeiten der Versorgung des Unternehmens mit Material. Materialwirtschaft

  • ist vom Objektumfang enger gefasst als Beschaffung, da es um Beschaffung von Material geht
  • ist vom Aufgabenumfang dem Begriff Beschaffung entsprechend, das sich die Materialwirtschaft auf die Aufgaben bezieht, die das Material in den Funktionsbereichen Beschaffung und Produktion betreffen

Abgrenzung der Begriffe Logistik und Supply Chain Management (SCM)

Logistik:
Logistik ist eine Querschnittsfunktion des Unternehmens, die von den klassischen Funktionsbereichen die Aufgaben 

  • Beschaffungslogistik  (inner- und außerbetriebliche Logistik)
     
  • Produktionslogistik (innerbetriebliche Logistik)
     
  • Distributionslogistik (inner- und außerbetriebliche Logistik)

übernimmt und diese Funktionen überlagert. Mit Querschnittfunktion ist gemeint, dass es sich um integrative Prozesse handelt, die den physischen Güter- und Informationsfluss funktionsübergreifend übernimmt.

Aufgabe der Logistik ist die

  • räumliche und zeitliche Gestaltung des
    • physischen Güterflusses und des
    • Informationsflusses

der Unternehmen.

Supply Chain Management (SCM):

Supply Chain Management bezeichnet den Aufbau und die Verwaltung integrierter Logistikketten. Integrierte Logistikketten sind Material- und Informationsflüsse. Integrierte Logistikketten erstrecken sich über den gesamten Wertschöpfungsprozess. Dieser Wertschöpfungsprozess erstreckt sich

  • von der Rohstoffgewinnung
  • über die Veredelungsstufen bis hin zur
  • Versorgung von Endverbrauchern.

SCM beschreibt somit die aktive Gestaltung aller Prozesse, um Kunden oder Märkte wirtschaftlich mit

  • Produkten,
  • Gütern und
  • Dienstleistungen

versorgen.

Multisourcing, Beschaffungsakquise, Aktive Nutzung von Ressourcen im Up Stream der Supply Chain, sowie Beziehungsmanagement mit Partnern, die sich in der vorgelagerten Kette der Supply Chain befinden, sind Disziplinen, die zur Pflicht im Beschaffungsmanagement gehören. ERP Systeme unterstützen hierbei. Eine richtige Idee davon, wie Beschaffung effektiv ausgestaltet werden sollte hilft bei der richtigen Nutzung von digitalen Werkzeugen.

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